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Neue Sustainable Finance Strategie: EU will grünen Finanzmarkt

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Neue Sustainable Finance Strategie: EU will grünen Finanzmarkt

EU Kommission stellt neue Sustainable Finance Strategie vor

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Europa will in Sachen Klimaschutz Spitzenreiter sein. Dafür braucht es bis 2030 jährlich etwa 350 Milliarden Euro zusätzliche Investitionen allein im Bereich der Energiesysteme, plus weitere 130 Milliarden Euro für andere Umweltziele. Mit der Neuen Sustainable Finance Strategie hat die EU-Kommission heute vorgestellt, wo die Millionen herkommen sollen: aus dem Privatsektor.

Sustainable Finance geht in eine neue Runde

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass die EU-Kommission mit dem „Aktionsplan Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ das Thema Sustainable Finance auf EU-Ebene ins Rollen gebracht hat. Seitdem hat sich viel getan: Die Taxonomie ist größtenteils ausgearbeitet und tritt 2022 in Kraft, die Offenlegungsverordnung schon seit März 2021.

Jetzt hat die EU die Sustainable-Finance Strategie erneuert. Das Ziel bleibt gleich: Öffentliche Gelder, aber auch institutionelle Investitionen und Privatgelder müssen für Nachhaltigkeit mobilisiert werden. Nur, wenn wir unsere Wirtschaft in Einklang mit Umwelt- und Klimazielen bringen, können wir unseren europäischen Lebensstandard erhalten.

Geschäftsführender Vizepräsident der Kommission, Valdis Dombrovskis, sagte heute: „Wir wissen seit langem, dass öffentliche Gelder nicht ausreichen werden. Wir müssen uns auf den privaten Sektor verlassen. Deshalb ist nachhaltiges Finanzwesen so wichtig: um Investitionen in der erforderlichen Größenordnung zu generieren.“

Neue Sustainable Finance Strategie: Das ist geplant

Die am Dienstag vorgestellten neuen Maßnahmen bauen auf den schon umgesetzten Sustainable-Finance-Maßnahmen auf. Die erneuerte Sustainable-Finance-Strategie setzt den Fokus aber auf vier neue Themenfelder:

  1. Übergang zu nachhaltigem Wirtschaften
  2. Inklusion von Kleinunternehmen und Kleinanleger*innen
  3. Widerstandsfähiges Finanzsystem und
  4. globale Perspektive für Sustainable Finance.

Green Bond Standard kommt

Es gibt endlich Konkretes zu der Sustainable-Finance-Säule, die die EU-Kommission schon 2018 angekündigt hat: der Green-Bond-Standard, kurz EUGBS. Die Kommission schlägt einen EU-Standard für grüne Anleihen vor, der auf das Klassifizierungssystem der Taxonomie aufbaut. Das bedeutet, Bonds sollen anhand der Taxonomie-Kriterien eindeutig nachhaltig klassifiziert werden.

Allen Emittenten, auch über Europa hinaus, können den Green Bond Standard freiwillig nutzen. Unternehmen, aber auch Regierungen, die grüne Bonds ausgeben wollen, haben damit jetzt ein Rahmenwerk: Sie können sich an den Bewertungskriterien der Taxonomie entlanghangeln und so Projekte für den Green Bond identifizieren. Die können zum Beispiel im Bereich Energieerzeugung, ressourceneffizienter Wohnungsbau oder auch CO2-armer Verkehr liegen.

Anleger*innen können leichter erkennen, ob eine Investition nachhaltig ist – so will die EU Greenwashing reduzieren. Das vorgeschlagene Rahmenwerk enthält vier Hauptanforderungen:

  1. Gelder, die durch nachhaltige Anleihen eingenommen werden, müssen auch vollständig in Projekte fließen, die laut EU-Taxonomie nachhaltig sind.
  2. Es muss transparent sein, wie die Anleihenerlöse verteilt werden.
  3. Ein*e externe*r Prüfer*in muss grüne EU-Anleihen kontrollieren und die Einhaltung der Verordnungen sicherstellen.
  4. Diese Prüfer*innen unterstehen der Aufsicht der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde. Staatliche Emittenten unterliegen hier weniger strengen Regeln.

Der Kommissionsvorschlag wird jetzt dem Europäischen Parlament und dem Rat vorgelegt, erst danach kann er in Kraft treten.

Europäisches Parlament
Bevor die Vorschläge der EU-Kommission zur neuen Sustainable Finance Strategie in Kraft treten, müssen auch Parlament und Rat zustimmen.

Taxonomie 2.0 – Zwischenschritte zur Nachhaltigkeit unterstützen

Auch die Taxonomie selbst ist Teil der erneuerten Sustainable Finance Strategie. Die Kommission will die bestehende Nachhaltigkeitstaxonomie weiterentwicklen, damit sie an diejenigen Unternehmen angepasst ist, die bereits nachhaltig wirtschaften. Genauso soll die Taxonomie aber auch denjenigen helfen, die auf umweltfreundlich umstellen wollen.

Die Strategie soll so Wirtschaft und Finanzsystem beim Übergang zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen. Die Kommission hat heute eine Zwischenstufen-Taxonomie ins Spiel gebracht, zusätzlich zur bestehenden grünen Taxonomie. So sollen Übergangsanleihen möglich werden: Das sind Finanzprodukte, die gezielt Wirtschaftsaktivitäten finanzieren, die zwar selbst noch nicht ganz grün sind, aber nachhaltigeres Wirtschaften in Zukunft ermöglichen.

Inklusion der „Kleinen“ in das nachhaltige Finanzsystem

Die erneuerte Sustainable-Finance Strategie beschäftigt sich damit, wie man auch für kleinere Unternehmen nachhaltige Finanzierungsmöglichkeiten schaffen kann. 98 Prozent aller europäischer Unternehmen sind klein oder mittelständisch, also sogenannte KMU. Sie unterliegen aber aktuell nicht der Taxonomieverordnung und müssen deshalb ihre Nachhaltigkeitsauswirkungen nicht genau erfassen.

Bessere Finanzierungsmöglichkeiten für KMU können außerdem auch Möglichkeiten für Kleinanleger*innen eröffnen, am Kapitalmarkt aktiv zu werden.

Auch die Kreditvergabe an Privatkund*innen von Banken soll grüner werden: Dazu konsultiert die Kommission die Europäische Bankenaufsichtsbehörde. Gemeinsam wollen sie einen Weg finden, grüne Privatkredite und grüne Hypotheken voranzutreiben.

Neue Regeln für die „Großen“

Für große Unternehmen von öffentlichem Interesse, also zum Beispiel Banken und Versicherungen sowie anderen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden, verschärfen sich die Regeln: Heute hat die EU-Kommission einen weiteren delegierten Rechtsakt verabschiedet. Er ergänzt die Taxonomieverordnung, bzw. setzt sie in die Praxis um. Große Unternehmen müssen künftig darüber informieren, inwiefern ihre Investitionen, Vermögenswerte, Kreditvergaben und Wirtschaftsaktivitäten laut Taxonomie nachhaltig sind. Dieser delegierte Rechtsakt macht konkret, wie Inhalt, Methodik und Darstellung dieser Informationen auszusehen haben.

Sustainable Finance und Finanzstabilität

Der Klimawandel ist ein Risiko für die Finanzstabilität. Das machte ein Bericht der Europäischen Zentralbank erst letzte Woche deutlich: Der Klimawandel gefährdet ein Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung. Das hat Auswirkungen auf den Wert von Geldanlagen. Deshalb will die EU das Finanzsystem widerstandsfähiger machen – indem es nachhaltiger wird. Auch der Übergang dahin soll geordnet verlaufen, um Schocks und Instabilität zu vermeiden.

Solarenergie
350 Milliarden jährlich – so viel Geld muss zusätzlich in erneuerbare Energien investiert werden, damit die EU ihre Klimaziele erreicht. Die neue Sustainable Finance Strategie soll die Milliarden mobilisieren.

Europa geht voran, der Rest der Welt folgt?

Etwa die Hälfte der grünen Anleihen sind Euro-dotiert, was den Euro zur beliebtesten Währung für grüne Finanzprodukte macht. Trotzdem machen grüne Anleihen nur etwa zwei bis vier Prozent des globalen Anleihenmarktes aus.

Die Klima- und Umweltkrise ist eine globale Herausforderung – und muss global gelöst werden. Das gilt auch für Sustainable Finance. Die Internationale Plattform für nachhaltige Finanzen versucht diese Aufgabe anzugehen. Die EU hat sie ins Leben gerufen, um ein grünes globales Finanzsystem zu schaffen. Im November 2021 wird sich eine COP 26-Konferenz in Glasgow ausführlich mit internationaler Klimafinanzierung befassen.

Neue Sustainable Finance Strategie: Tut die EU genug?

Das Thema Sustainable Finance ist prominent auf der EU-Agenda – und das ist gut so. Allerdings stehen und fallen alle Maßnahmen mit dem Regelwerk hinter der Taxonomie: Nur wenn die dort festgelegten Kriterien, ab wann etwas nachhaltig ist, mit den Klimazielen übereinstimmen, kann der Finanzsektor tatsächlich grün werden.

Doch genau hier hakt es: Bisher gibt es noch nicht einmal eine Einigung darüber, ob Gas- und Atomkraftwerke als nachhaltig gelten werden. Bei der endgültigen Festlegung der Grenzwerte gibt es immer wieder Konflikte und Verzögerungen. Auch, dass die EU in Sachen Green Bond Standard von der ersten Ankündigung bis zu einem konkreten Vorschlag zwei Jahre brauchte, spricht nicht für schnellen Wandel.

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Hinweis: Die vorstehenden Aussagen geben die persönliche Meinung der Verfasserin/Herausgeberin wieder. Eine Haftung für die Richtigkeit kann nicht übernommen werden.

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Judith Lehner

Judith Lehner

Judith studiert derzeit Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. Sie ist dort als wissenschaftliche Hilfskraft tätig und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit internationaler Wirtschaft und Entwicklungsökonomik. Sie arbeitet seit 2018 als freie Redakteurin für verschiedene Medien und seit 2020 für ver.de im Bereich Kommunikation. Privat begeistert sie sich für Musik und veganes Essen. Ihr Traum ist es, so zu leben, dass sie nur den Anteil des Planeten Erde verbraucht, der ihr zusteht – also etwa ein-siebenmilliardstel.

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